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Seattle

Nach den positiven Kommentaren gestern (ich habe mich sehr gefreut!) lastet auf mir jetzt natürlich der immense Druck mein anscheinden vorhandenes Schreibtalent auch wieder zu beweisen. Mögliche schriftstellerische Mängel werden heute aber ja durch die ersten Bilder kompensiert.

Zunächst noch ein paar Worte zu gestern abend. Nachdem ich mein Erstlingswerk online gestellt hatte, wurde doch noch ein wenig geschlafen. Klappte auch ganz gut, unser Zimmer mit Blick auf den Parkplatz liegt recht ruhig. Geweckt wurde ich erst durch das unangenehme Geräusch eines Skype-Anrufs. Ebenso unangenehm war, dass sich der intensiv künstliche Geruch, der im Hotel vorherrscht, in meinem Mund als Geschmack manifestiert hatte. Pfui bäh. Doch etwas gerädert zum Laptop gewankt um den Anruf meines Cousins Sebastian vom Flughafen anzunehmen. Anfangs hat der mich jedoch nicht gehört, sodass ich mich einen Moment fragte ob ich mir aufgrund der Müdigkeit nur einbilden würde den Mund aufzumachen. Irgendwie haben wir uns dann doch darauf verständigt uns am Flughafen zu treffen. Denn um in den Genuss zu kommen unseren schönen Mietwagen, einen neuen Dodge Grand Caravan (selbstverständlich Automatik), zu fahren, musste natürlich mein Führerschein vorliegen. Mit Hilfe meines unschlagbaren Orientierungssinnes (der ohne technische Unterstützung ungefähr 0 beträgt) haben wir uns nach einer Weile auch gefunden und unser schwarzes Schiff abgeholt. Ein Bild davon findet sich unten. Ich bin auch nicht der einzige mit Orientierungsschwierigkeiten an diesem Flughafen, erst mit Unterstützung haben wir aus dem Parkhaus gefunden.

Abendessen. Unvorstellbar aber wahr, außer den Snacks im Flugzeug hatte ich den ganzen (durch die Zeitverschiebung von 9 Stunden ja recht langen) Tag noch nichts weiter gegessen. Auf zu Domino’s Pizza. Meine Begleiter, mit denen ich mich auf Anhieb super verstanden habe (und nein, ich sage das nicht unter Zwang oder weil die Möglichkeit besteht, dass sie auch mal meine Einträge überfliegen), haben es sich zum erklärten Ziel gemacht, meine mangelhafte Kenntnis guten amerikanischen Fast-Foods zu verbessern. Wendy’s sei besser als Mc Donald’s und Subway einer der schlechteren Sandwich-Läden. Nachdem ich zumindest bei Subway eigentlich gerne esse muss ich mich davon noch selbst überzeugen. Zurück zu Domino’s. Bis vor kurzem war Domino’s offenbar eine eher widerliche Pizza, bis die einfach mal von 0 angefangen und ihr Sortiment grunderneuert haben. Verkauft wird das jetzt als 50 Jahre dauernde Entwicklung der optimalen Pizza. Interessant, dass man sich 50 Jahre mit widerlicher Pizza durchmogeln konnte. Die Pizzen, die wir genossen haben (Pizza Hawai und eine mit Hühnchen, Tomaten und massig, zumindest offiziell echtem, nicht analogem Mozzarella) waren jedenfalls sehr lecker. Zwei Pizzen in Large erschienen mir erst recht wenig, wäre ich allein dagewesen hätte ich ziemlich sicher einen Versuch unternommen so ein Teil allein zu bezwingen, sie erwiesen sich jedoch als mehr denn ausreichend (24 Stunden später sind die Kartons noch immer nicht ganz leer). Als Nachtisch haben wir uns noch zwei Chocolate Crusted Lava Cakes mitgenommen, zumindest Kristin und ich sind nämlich zwei ganz Süße. Diabetiker sollten diese Teile aber wohl lieber meiden.

Wir teilen uns übrigens derzeit zu viert ein Zimmer mit 2 Queen-size Betten. Das Internet hier ist aber relativ langsam, etwa vergleichbar mit DSL lite. Bin gespannt wie lange der Bilderupload dauern wird. Also falls sich unten jetzt nur wenige Bilder befinden wisst ihr warum, wobei natürlich auch die Möglichkeit besteht dass ich das Laptop die Nacht lang hab durchlaufen lassen ;-). Die Nacht war recht geruhsam, ich würde gerne sagen ich hätte auf meinen 2 Kissen geschlafen wie ein Stein, das war leider aber nicht der Fall. Das Klima von Seattle ist eigentlich genau mein Ding, während meine Begleiter mit Pullover und Jacke rumlaufen, trage ich auch gern mal T-shirt. Da wir bei geschlossenem Fenster eingeschlafen sind, wurde es irgendwenn nachts doch etwas arg warm im Zimmer, wegen der doch vorhandenen Geräuschkulisse draußen in Flughafennähe entschied ich mich aber das Fenster nicht zu öffen. Die Nacht hab ich auch so recht gut überstanden, wobei wir inzwischen festgestellt haben dass wir alle Frischluftfetischisten sind und daher ab jetzt doch lieber gegebenenfalls Lärm als Sauerstoffknappheit ertragen.

So, ganz Seattle in einem Tag besichtigen. Klingt erstmal stressig und anstrengend. Ist es aber eigentlich nicht, denn so wahnsinnig viel gibt es hier gar nicht zu sehen. Was jetzt nicht heißen soll dass Seattle nicht schön ist. Eigentlich wollten wir erstmal bei einem Starbucks frühstücken. In Seattle muss man sich schon arg blöd anstellen wenn man die Dinger verfehlen möchte, die hier wirklich an jeder Straßenecke sitzen. Wie könnte es auch anders sein in der Heimatstadt des inzwischen wohl erfolgreichsten Heißkoffeinversorgers. Da die meisten Parkhäuser an denen wir vorbeikamen sonntags geschlossen haben landeten wir nach der unfreiwillig ausführlichen Besichtigung von Downtown Seattle bald in der Nähe des Markenzeichens Seattles, der Space Needle. Da wir für amerikanische Verhältnisse sehr früh dran waren, konnten wir problemlos in unmittelbarer Nähe parken. Haben uns auch gleich fürs Sparangebot entschieden, $25 für 10 Stunden parken. Normal. Für frühmorgentliche Erheiterung sorgte ein Bus mit der hilfreichen Aufschrift „Wrong Bus“ (zu deutsch: falscher Bus, Bild unten) und ein Taxi mit totpraktischem Fußgänger-Killer (ebenfalls Bild unten).

Hungrig wollten wir auf die Space Needle nicht hoch, daher erstmal am Science Fiction Museum vorbei (besser gesagt durch das Museum hindurch) mit der Monorail zurück nach Downtown. Hier konnte man wiedereinmal eine typisch amerikanische Verhaltensweise beobachten. Während wir Europäer völlig selbstverständlich die Treppe nehmen, quetschen sich Amerikaner lieber zu zwanzigst in einen 10-Personen Aufzug oder zu hundertfünfzigst auf eine Rolltreppe. Ein toller Anblick für uns und gleichzeitig angenehm, da man auch zu Hochbetriebszeiten eigentlich überall probelmlos durchkommt. Die erste richtige Sehenswürdigkeit Seattles die wir dann unter die Lupe genommen haben ist der Public Pike Place Market. Bekannt unter anderem für Fisch. Ganz hübsch da drinnen, Fisch haben wir mangels Küche aber keinen mitgenommen. Viel interessanter der nahegelegene Starbucks, der wahrhaft allererste Starbucks der Welt! Auch zu früher Stunde war dieser jedoch so vollgestopft, dass wir uns dafür entschieden lieber nur kurz so richtig touri-mäßig zu posen, ablichten zu lassen und weiter (das Ergebnis seht ihr unten). Zum Glück gibt’s nur wenige Meter weiter einen modernen Starbucks, der nicht ännähernd so voll war sodass wir uns auch setzen konnten. Für mich gabs einen Caffe Mocha und einen English Muffin mit Ei, Käse und Bacon, sowie einen Double Chocolate Brownie. Danach mussten wir unbedingt nocheinmal zum Public Market zurück, denn dort hatten wir kurz vorher die zweifellos beste und saftigste Nektarine der Welt probiert und wollte noch ein paar mitnehmen. Vor allem hatte es uns aber der Verkäufer angetan, ein spezielles, einzigartiges Individuum, wie ihr vom Bild unten sicher selbst feststellen könnt. Nach einer netten Unterhaltung verabschiedete er uns mit den Worten „Goodbye. Enjoy your lives!“ Jaja bast scho und weiter.

Von dort gings weiter in Downtown ein paar Läden besichtigen. In einem (sowohl vom Stil her als auch preislich) eher europäisch angehauchtem Klamottenladen fand ich eine ebenso eher europäisch freizügige Werbung, welche allein schon aus Mangel an Motivalternativen abgelichtet werden musste. Nachdem ich keine Sonnenbrille mitgebracht hatte (die man zumindest im diesigen Seattle auch sicher nicht braucht) machte es sich Kristin zur Aufgabe mir eine passende zu finden. An dem Straßenstand einer sehr netten Seattlerin wurde ich nicht fündig, konnte aber feststellen dass mir die Brille meines Cousins recht gut gefällt. Promt wurde ich zum Herkunftsort derselben geschleppt, Edelkaufhaus macy’s. Sebastian’s Modell gab es entweder mir für mich zu großen und oder zu kleinen Gläsern, was rückblickend ein Glück ist, denn die Zeiten, in denen wir im Partnerlook rumgekrebst sind, sind auch ungefähr solange her wie wir nicht mehr rumkrebsen sondern aufrecht gehen. Mit Hilfe von Brillenexperte Stephan und Kristin, welche meine Gesichtsform akribisch studierte und dann  passenden Brillenformen zuordnete, fiel die Wahl schließlich auf eine Polo Ralph Loren. Den Preis verschweige ich lieber mal, aber immerhin gabs ein Hardcase dazu und die Steuern kann ich mir als Visitor to the United States netterweise auch Sparen. Ein echtes Schnäppchen also. Unweit von macy’s wurden wir beinahe von der Scientology Kirche angeworben und Veganer wären wir auch fast geworden. Aber nur fast. Standhaftigkeit und Willensstärke bewiesen.  

Zurück zur Monorail und damit zum Science-Fiction Museum. Welcome to Geektown. Neben den üblichen Verdächtigen wie Star Wars und Star Trek haben es erfreulicherweise auch unbekanntere Genrevertreter, wie einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre, Darren Aronofsky’s The Fountain in das Museum geschafft. Bereits beim Ticketkauf (ein Doppelticket für besagtes Science-Fiction Museum und das Experience Music Project in Form eines Stickers, den man sich einfach aufs Hemd pappt, Aufschrift „Rock on, Live Long“) wurde uns gesagt, dass Fotografieren im Inneren sogar erwünscht ist, man nur den Blitz nicht verwenden darf. Eine gute Gelegenheit mit der Kamera zu experimentieren um herauszufinden wie man auch ohne Blitz und Stativ schöne Bilder hinbekommt. Hat denke ich auch teilweise ganz gut geklappt. Besonders angetan haben es mir hier einige schöne Filmposter, besonders das Imax Poster von Star Wars Episode 2 „Size matters not – Except on an Imax Screen“.  Viel gibt es sonst zu dem Museum nicht zu berichten, es war aber doch recht interessant, ansonsten lasse ich die Bilder für sich sprechen. Ich musste mich dann doch dazu hinreißen lassen, im Sci-Fi Shop ein T-Shirt „The Many Moods of Spock“ zu kaufen. Nebenan im EMP war vor allem das Konstrukt aus Gitarren, groovy Kostüme aus längst vergangenen Tagen sowie die gigantische Halle, in der man ein Red Hot Chili Peppers Konzert sehen konnte, interessant. Im oberen Stockwerk bekommt man dann die Gelegenheit sich mal selbst an echten Instrumenten zu versuchen und damit man sich nicht ganz so schämen muss kann man dies weitgehend in schalldichten Kabinen tun. Für Sebastian und mich, stolze Absolventen des musischen Gymnasiums, war das eher uninteressant. Auch hierzu darf natülich ein Gift-Shop nicht fehlen, besonders toll hier die Babymode.

Eigentlich ballen sich die Sehenswürdigkeiten Seattles weitgehend rund um die Space Needle. So auch ein Brunnen, der vor allem für Kinder eine Attraktion ist, da er wirklich recht unberechenbar Wasser mit unterschiedlich hohem Druck in allerlei unterschiedliche Richtungen bläst. Unter einem Kunstwerk aus roten Rohren gestand mir ein angetrunkener Penner seine unsterbliche Liebe. Hätte mich wohl nicht solange von ihm volllabern lassen sollen. Aber er schwört darauf, dass das Kunstwerk früher direkt neben der Space Needle gestanden habe und sicher in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von einem „big-ass crane“ an seinen jetzigen Standort gehoben worden war. Äh ja. Scho recht, auf wiedersehen. Schließlich ging es dann doch hoch auf die Space Needle. $18 kostet der Spaß. Zur Überbrückung der Wartezeit steht in unmittelbarer Nähe eine Panflöten-Band bereit, die Musik ist ungefähr so monoton wie die einer Telefonwarteschleife. Aber hey, als aufmerksamer South Park Gucker nehme ich das gerne in Kauf, denn ich weiß ja, in Wahrheit beschützen und die Panflöten-Quäler vor der Invasion der Riesenmeerschweinchen. Fragt nicht. Im Eintrittspreis inbegriffen ist ein kostenloses Foto. Bevor man einen der drei Aufzüge nach oben betreten darf, stellt man sich also vor eine Leinwand, lässt sich ablichten und kann dann später aus mehreren Hintergründen wählen vor die man sich dann montieren lassen kann. Dieses Bild kann man sich dann per E-Mail schicken lassen. Total beknackt, da ist man schon da und bekommt ein gefälschtes Ich-war-da-Bild gleich dazu. Dementsprechend haben wir uns darauf geeinigt ähnlich beknackte Gesichter auf dem Bild zu machen. Der Ritt zur Aussichtsplattform der Space Needle bei 10mph dauert genau 41 Sekunden. Solange hat die Aufzugbegleiterin Zeit dich über Sicherheit und interessante Fakten aufzuklären. Ich glaube ich habe noch nie jemanden so schnelles Englisch reden hören, eine Pause zum Atemholen konnte ich eigentlich auch nicht feststellen. Das Timing war wahrlich perfekt, mit dem letzten Wort ging die Tür auf. Begeisterung all around. Darauf folgte leichte Ernüchterung. Der Ausblick von der Space Needle ist jetzt nicht so der Hit. Ganz nett, aber man verpasst nichts wenn man da nicht hochfährt. Bei dem Wetter noch dazu. Halb so wild, Spaß hatten wir trotzdem. Und Gelegenheit mal mein anderes Objektiv aufzusetzen und einige Details Seattles von oben abzulichten.

Automatisierung. Amerikaner sind offenbar ein großer Fan davon. Auf der Toilette kannst du dir automatisch ein Toilet Seat Cover ausgeben lassen, wenn du dich falsch nach vorne beugst oder letztlich aufstehst wird automatisch gespült, dass am Wasserhahn ein Sensor ist und das Papier zum Abtrocknen ebenfalls sensorgesteuert rationiert wird, mag man auch in Deutschland gewöhnt sein, einen automatischen Seifenspritzer aber eher nicht. Soviele automatisierte Vorgaben verleiten doch zu zivilem Ungehorsam und so nahm ich mir die Zeit mehrfach hinterlistig Händewaschen anzudeuten und den Seifenspender daneben Spritzen zu lassen. Genug Kindischsein für einen Tag, weiter geht’s.

Nachdem bisher immer Kristin die designierte Fahrerin war, wollte ich mich jetzt auchmal im amerikanischen Straßenverkehr behaupten. Schon wieder Automatik und gleichzeitig auch erstmals Automatik, meine erste Fahrt mit einem Automatikgetriebe. An das Auto muss man sich zwar etwas gewöhnen aber daran könnte ich mich auch gern gewöhnen. Fährt sich wirklich sehr schön. Aus Gewohnheit tappt man zwar immer wieder mal ins Leere auf der Suche nach der Kupplung und greift auch schonmal ins Leere wo eigentlich ein Schaltknüppel wäre, das lässt aber schnell nach. Satellitenradio und mehrere Klimazonen haben wir auch, ebenso Steckdosen für Laptops und andere Geräte. Ein feines Gefährt eben. An den Schulterblick aus Fahrschulzeiten erinnert man sich dann auch schnell, das Teil hat nämlich aufgrund der Länge einen gewaltigen toten Winkel. Rechts vor links kennt man in Amerika nicht, es kostet Überwindung es so einfach zu ignorieren, was aber auch nicht schlecht ist, denn wie man mir sagte sollte man lieber trotzdem langsam machen, „hier muss man noch mehr mit der Dummheit anderer Fahrer rechnen“. Gesagt, getan.

Mein erster Besuch in einem echt amerikanischen Walmart. Auf dem Parkplatz wartete schon ein großer Lacher, unter einem riesigen Pick-Up Truck baumelte ein verchromter, überlebensgroßer Sack. Tja, wer keine Eier hat, muss sich halt welche kaufen. Thank god for rednecks. Im Walmart haben wir uns dann schonmal für bevorstehende Camping-Übernachtungen eingedeckt. Schlafsäcke für $10 sollten ausreichen, ein Zelt brauchen wir noch, gab nur 6-Mann-Zelte (oder größer). Interessant auch Zelte mit Angaben, wie viele Leute an einem hypothetisch darin platziertem Tisch sitzen können, aber nicht wie viele letztlich dann da schlafen können. Unweit der Zelte gab es weiteres, essentielles Campingzubehör zu entdecken. Besonders angetan hat es mir die Machete für $6.88. Hatte fast Lust so eine zu kaufen, einfach because I can. Wer Langweile hat, kann auch mal auf peopleofwallmart.com vorbeischauen und Impressionen sammeln ;-).   

Den krönenden Abschluss des Tages bildete ein Besuch im Lakeview Cemetery und damit beim Grab von Bruce Lee. Der Friedhof ist gewaltig groß und so haben wir eine Weile gebraucht bis wir die Martial Arts Ikone gefunden haben, ein wenig hinter Büschen versteckt und von der Straße abgewendet. Jawohl, richtig gehört, Straße! Sehr friedlich der Friedhof, in den die lauflahmen Bürger gerne mit dem Auto direkt bis zum Grab fahren können. Die Autos, die wir zunächst für Angehörige einer gerade stattfindenden Beerdigung hielten, waren letztlich ausschlaggebend für das Finden des gesuchten Grabes.

Abendessen heute bei Subway. Um einen direkten Vergleich zu ermöglichen habe ich mich für das gleiche Sandwich entschieden, das ich zu Hause auch immer esse. Minuspunkt direkt dafür dass es keinen Frischkäse gab und auch das Brot ist zuhause irgendwie besser. Trotzdem sehr genießbar. Zur Not hätte es ja auch noch kalte Pizza gegeben oder die Packung Lays Chips, superlecker, die vermisse ich seit meinem letzten Besuch in Irland sehr.

Morgen geht es dann weiter nach Portland und möglicherweise zum Crater Lake. Je nach dem wie weit wir letztlich fahren entscheidet sich ob wir Internet haben und demnach ob es morgen einen neuen Beitrag gibt. Bis dahin viel Spaß mit den Bildern. Kommentare bitte ;-)











Hinreißende Hinreise


Der Tag ging schonmal gut los. Ich habe nicht verschlafen, mein Zug hatte nicht Verspätung, meinen Ausstieg nicht verpennt (ja, Wortwiederholungen sind ja ganz böse hab ich in der Schule gelernt), bin nicht am falschen Check-In gelandet, meine vorläufige Miles & more Karte auch direkt nicht dabeigehabt (irgendwas musste ich ja vergessen) und die Daten meines Reisepasses konnten nicht gelesen werden. Ja blöd. Mehr dazu gleich. Die Bordkarte hat mir der supernützliche, einfach zu bediendende, personalkostensparende  Ticketautomat doch erstmal ausgespuckt. Mein Gepäck konnte ich an dem Schalter dann auch nicht aufgeben, mein Campingrucksack läuft unter Sperrgepäck. Und ich dachte noch der ist doch so schön handlich mit nur 9kg…
Losgetourt zum Schalter 446 lief auch alles schön smooth (jaha schon voll auf englisch umgestellt), der Kollege dort konnte dann (wenn auch erst nachdem ich das Problem mit dem Pass angesprochen hatte) meine Passdaten einlesen („mhm eine 0 zuviel“, whatever) und mir meine endgültige Bordkarte aushändigen sowie Anhänger fürs Gepäck um eine Adresse draufzukritzeln, sollte was schief gehen (noch so ne Kleinigkeit die ich vergessen hab, solangs dabei bleibt is gut).
Beim Sicherheitscheck trat dann Murphy’s Law auch nicht in Kraft, ich mir sogar die schnellste Schlange ausgesucht (an dieser Stelle danke an George Clooney bzw. Jason Reitman, Drehbuchautor des flugtechnisch lehrreichen Films Up in the Air). Beim Anstehen natürlich aufmerksam den oscarverdächtigen Animationsfilm zum richtigen sicherheitschecken  studiert und alle umliegenden Schilder gelesen. Interessant, dass im Handgepäck (!) Nagelscheren, Einmalrasierer und Taschenmesser bis 6cm Klinge erlaubt sind! Ich dacht mich tritt ein Pferd. Hauptsache mein gefährlicher Tretrapack Grüner Tee wurde entschärft, entsorgt und kann jetzt kein Unheil an Bord anrichten.  Puh grad nochmal gutgegangen. Kleinere Komplikationen gabs doch, so ganz ohne wäre doch auch irgendwie verdächtig. Meine klotzige Gürtelschnalle vergessen abzulegen, aber was wäre Fliegen ohne eine ordentliche Leibesvisitation (viel aber milde aus). Mein KFZ-Handyladegerät war beim Durchleuchten auch auffällig, kurzes Vorzeigen entschärfte auch diese Situation. Hatte fast mehr erwartet mit all der Technik und der Masse Kabel in meinem Rucksack.
Nach inzwischen gefühlten 5 Laufkilometern muss man natürlich einen  Zwischenstop im Duty Free Shop machen (nachdem man seine Getränke fachgerecht entsorgt hat kann man hier wieder neue kaufen, prima Geschäftsstrategie). Ein Buch mit dem Titel „Sorry, wir haben die Landebahn verpasst“  zu verkaufen find ich jetzt irgendwie… makaber ist vielleicht das falsche Wort aber ihr wisst was ich meine. Ich habe mich für Dr.med. Eckart von Hirschhausen’s Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ entschieden, wollte ich schon ne Weile lesen.
So, am Gate angekommen dacht ich mir „da ist ein Schalter, da stehen Leute an, ich stell mich mal dazu“. Typisches Rudelverhalten eben. Fragt mich die nette Dame ob ich denn gerne 600€ hätte, instinktiv sagt man natürlich gleich ja! Natürlich!. Bei der Frage ob ich denn in der Nähe wohnen würde oder ein Hotel möchte wurde ich doch etwas skeptisch, wie sich herausstellte machts die Lufthansa genau wie die Bahn, verkauft mehr Tickets als Plätze an Bord sind, wobei man im Flieger eher schlecht stehen kann. Dementsprechend bietet man den Leuten Geld (erst bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass es sich nicht um Bares handeln würde sondern einen Reisegutschein) an, damit sie freiwillig 24 Stunden später fliegen. „Ne das geht gar nicht“ sag ich und sie „ja was machen Sie denn dann hier?“. Naja der Gruppenzwang halt. Offenbar muss man am Gate erstmal keinen Check durchlaufen der feststellt ob man sich denn auf die Wartesitze setzen darf.
Mit dem Bus auf zum Flieger. Strategisch geschickt recht spät eingestiegen konnte ich als Erster denselben wieder verlassen und, sportliche Rampensau die ich bin, ebenfalls als erster die Steile Treppe zum Flugzeug bezwingen. Als ich schon alles verstaut hatte war ich dann doch so nett noch Platz zu tauschen, ein Ehepaar mittleren Alters war auseinandergesetz worden, sie drohte mir schon damit sie würde dann auf meine Schulter sabbern, während er sich wunderte dass ich der Liebe natürlich nicht im Weg stehen will und so einfach den Platz räumte. Gelandet bin ich ein paar Reihen weiter hinten neben einem Amerikaner, in etwa mein Alter. Vielleicht kann man den ja kennelernen. Da waren die Stöpsel schon im Ohr, inzwischen knackt der Kollege, immerhin schnarcht er nicht.
Erste Pflicht für mich war natürlich das Entertainment-Programm zu checken. Schwach, Lufthansa, schwach. Ganze 18 Filme stehen zur Auswahl: Alice im Wunderland (kenn ich, ganz nett), Alvin und die Chipmunks 2 (kenn ich, geht so), Arthur und die Minimoys 2 (doch ein bisschen kindisch für mich), Kick it like Beckham (kenn ich, gut, aber wer hat diesen „Klassiker“ als so wertvoll eingestuft dass er unter den paar Filmen sein muss?), Kampf der Titanen (kenn ich, ging so), Date Night (kenn ich, hundsmiserabel), Auftrag Rache (kenn ich, naja, Mel Gibson Aversion), Friendship (kenn ich, netter deutscher Film), Drachenzähmen leicht gemacht (kenn ich, fantastischer Animationsfilm der vielleicht erstmals Pixar den Oscar stehlen wird), Invictus (kenn ich, toller Film von Clint Eastwood), Jerry Cotton (kenn ich nicht, aber ob ich das ändern will?), Eine zauberhafte Nanny 2 (für Kinder, nicht für mich), Sherlock Holmes (der neue, kenn ich, gut, schon paarmal gesehen), Smoke (irgendein alter Schinken mit Harvey Keitel, vielleicht mal anspielen), Der Kautionscop (kenn ich, brauchbar), Valentine’s Day (kenn ich, aber eher was für Frauen), Vorstadtkrokodile 2 (Kinder…) und dann noch einen undefinierbaren indischen Film in einer editierten Fassung, der sollte 92 Minuten gehen, vermutlich von grob 4 Stunden runtergekürzt. So, man sieht, wirklich viel hat mir das Ding nicht zu bieten, könnte mir höchstens die Kinderfilme antun um in der Videothek später auf Qualitätsfragen antworten zu können. Mit guten Serien würde ich mich aj auch zufrieden geben, auch hier gibt es 18 zur Auswahl, allerdings nicht wirklich viele gute und auch jeweils nur eine Folge. Arm, sehr arm. Allerdings habe ich eine Tosca Aufzeichnung aus Verona entdeckt und eine Beethoven Nr.9 aus Berlin. Wohl eher mein Ding heute. Oder schlafen. Oder Mahjongg spielen solange der Akku mitmacht.   
Eigentlich hab ich mich ja so auf eine perfekt choreographierte In-Flight-Security-Show gefreut… nix wars. Auch das übernehmen inzwischen Pixelmonster auf den Sitzmonitoren. Der Capitain stellt die Pilotin vor, direkt kommen mir „Frau am Steuer…“ Sprüche in den Sinn, bisher läuft aber alles reibungslos.  Aufgrund der Überbuchung hatten wir natürlich auch etwas Verspätung, eilig schien es die 1. Offizierin dann aber nicht zu haben zum Start zu kommen, zwischendurch dachte ich schon wir würden jetzt einfach nach Seattle fahren. Bis dann doch die Landschaft rasant an mir vorübersauste und der immer wieder faszinierend steile Aufstieg erfolgte. Es kam dann wie es kommen musste, wenn man vor dem Security-Check noch möglichst viel köstlichen Grünen Tee sinnvoller verwerten will denn als Ameisenfutter, meldet sich irgendwann die Natur. Etwa auf Höhe Rüdesheim stieß der Flieger endlich durch die Wolkendecke, es dauerte aber noch fast bis Köln bis ich zum ersten Mal eine Flugzeugtoilette betreten konnte. Hier liegen Filme eindeutig falsch, definitiv kein Ort an dem ich eine flüchtige Flugbekanntschaft vernaschen wollen würde. Das nur am Rande. Aber immerhin wich die Anspannung unsäglicher Erleichterung, wie Nathan Fillion sagen würde „totally double rainbow“.
 Schlafen wäre wohl eine gute Idee, zunächst wurde aber das Mittagessen und wenns um Essen geht darf ich mir natürlich nichts entgehenlassen! Einen kleinen Aperetif gabs vorher, Getränk nach Wahl und Minibretzeln. Ich hab gehört George Bush Jr. wäre mal fast an soeiner erstickt… Ich bin natürlich geübt.  Ein heißes Tüchlein bekommt man tatsächlich auch noch. Beim Mittagessen dann die Wahl zwischen Hühnchen süß/sauer mit Reis und irgendwelchen vegetarischen Nudeln. Vegatarisch scheidet klar aus, also Hühnchen. Dazu ein kleiner Salat mit Balsamico-Dressing, ein kleines Brötchen, Butter und Camenbert (wer sich das wohl zusammen gibt…) und ein Bisquitkuchen mit Limettencreme zum Nachtisch. Recht lecker eigentlich, nur ein bisschen wenig.
Ich habe gerade das Gefühl mein Geschreibsel wird immer belangloser und uninteressanter. Aber wer bis jetzt durchgehalten hat kann sich das auch noch ne Weile antun, nich? Hab dann doch die erste Flugphase mit Mahjongg verbracht, es macht echt süchtig und erst als mein erster Laptopakku leer war konnte ich mich davon loseisen.  Bei der darauffolgenden Lektüre des neueworbenen Buches musste ich es mir arg verkneifen nicht laut zu lachen, wirklich klasse geschrieben teilweise. Nachdem um mich herum schon teilweise laute Laubsägearbeiten begonnen hatten dachte ich mir dann auch Schlafen wäre doch eine gute Idee. Jetlag Vorbeugung und so. Klappte erstmal nicht, ein wenig Berieselung als Einschlafhilfe musste her, also doch Jerry Cotton angemacht, super funktioniert, wenigstens 2 Stunden Schlaf bekommen. Erstaunlich wie fit ich nach 3 Stunden letzte Nacht und nur 2 Stunden im Flieger jetzt um 23 Uhr deutscher Zeit noch bin. Mal abwarten wie lange das anhält.
Wobei ich sehr froh war dann doch pünktlich wach geworden zu sein, um noch Grönland von oben zu bewundern. Wundschön, man muss schon sagen majestätisch. Da wäre der Fensterplatz vielleicht doch ganz gut gewesen um doch ein paar Fotos zu schießen. Naja macht nichts.
Den Rest des Fluges hab ich mich dann einfach berieseln lassen von Jerry Cotton (ziemlich schlecht, Christiane Paul beweist wiedereinmal nicht vorhandene Schauspielqualitäten), einem J-Pop Kanal (man muss ja mal schauen was in Japan an Musik gerade aktuell ist) und abschließend Tosca, welche ich leider nicht mehr ganz sehen konnte da mit Beginn des Landemanövers das Entertainmentprogramm eingestellt wurde. Hab noch gar nicht erwähnt, dass das Entertainment recht einseitig war, in doppeltem Sinn, denn meine Kopfhöhrerbuchse hatte leider einen Wackelkontakt sodass ich nur auf dem linken Ohr Ton bekam. Man gewöhnt sich an alles. Landung verlief, wie der ganze Flug zuvor reibungslos, nur ein kleines Luftloch sorgte für Baby- und Kindertränen. Kein Applaus, find ich gut. Meines Erachtens eine Unart, ich applaudiere ja auch nicht im Supermarkt wenn ich richtig abkassiert wurde oder sonstwo wenn jemand seinen Job richtig macht.
Es folgt eine vielleicht wieder etwas interessantere Phase. Manchmal bin ich ein ganz schöner Pessimist und so rechnete ich schon fast mit irgendwelchen Komplikationen bei der Einreise. Pass wieder nicht lesbar, Gepäckdurchsuchung und sonstige Scherereien, nichts von dem trat jedoch ein. Ich war sehr positiv überrascht wie scheißfreundlich die da doch waren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Jeder Beamte verwickelt dich gleich in Small-Talk der aber irgendwie doch aufrichtig erscheint und nicht wie auswendiges Runterbeten vorgegebener Fragen. Der Kollege dem ich dann meine sämtlichen Fingerabdrücke anvertrauen durfte (wozu man sich überhaupt die Mühe macht die im Pass zu speichern sei jetzt mal dahingestellt) beichtete mir sogar dass er heute seinen ersten Tag da hätte. Ja, ich auch. Schönen Tag dann noch. Seattle hat aber doch einen etwas komischen Flughafen. Nachdem man sich mit den anderen Passagieren um sein Gepäck gekloppt hat begibt man sich zu einem Untergrundzug, der einen dann zum Main Terminal bring von wo aus man dann seiner Wege gehen kann. Der Witz dabei ist, dass man vor Betreten des Zuges sein Gepäck wieder auf ein Förderband schmeißt, Re-Check schimpft sich das dann, nur um sich dann nochmal drum zu kloppen. Sowas.

Bevor ich mir gleich ein Taxi nehm dacht ich mir versuch ichs erstmal bei den sogenannten Complementary Busses die von Hotels dahingeschickt werden potenzielle Kunden aufzugabeln. Einige Busfahrer hab ich einfach mal angequatscht, auch wenn groß und deutlich Sachen wie Hilton vorne draufstanden und man so eigentlich drauf kommen könnte wo die wohl hinfahren. Hätt ja sein können dass die auch noch woanders halt machen. Einen Bus mit Aufschrift „Red Roof Inn“ konnte ich auch nach längerem Warten nicht entdecken. Zum Glück hängen da dann so Telefone rum und eine riesige Tafel mit Kurzwahlen für umliegende Hotels, Autovermietungen etc. Dacht ich mir ich ruf da doch mal an, bisschen eklig ist es natürlich schon, wer weiß ob diese Telefonhöhrer überhaupt irgendwann mal desinfiziert werden. Durchgekommen bin ich, allerdings war der Typ am anderen Ende so dermaßen leise dass man wirklich kein Wort verstehen konnte. Da ich ja wusste dass es eigentlich nicht weit vom Flughafen zum Inn ist, hab ich dann mein Handy konsolutiert, Fußgängernavigation. Erkennt dummerweise nicht auf welchem Level man sich befindet, von daher war auch das ein Schuss in den Ofen. Also doch Taxi. Meine ersten $6.25 losgeworden. Wie ich dann feststellen durfte hätte ich in einen Bus mit der Aufschrift „Holiday Inn“ steigen müssen um mir das Geld zu sparen. Kann ich ja nicht riechen.
 An der Rezeption erwartete mich eine sehr nette, quirrlige junge Dame typisch amerikanischer Statur. Eingecheckt, Schlüsselkarten für die anderen drei hinterlegt, ab aufs Zimmer. Gefällt mir ganz gut, vor allem für den Preis. Als ich dann jedoch mein Laptop an die Steckdose anstecken wollte gabs erstmal Probleme. Nein, ich hab nicht versucht den europäischen Stecker in die amerikanische Dose zu rammen. Allerdings passte der fette Stecker des Laptopnetzteils nicht in den Adapter  weil irgendein Vollpfosten da völlig sinnlose Plastikteile reinkonstruiert hat, die vermutlich dabei helfen andere Stecker zu fixieren, meinem dicken Stecker aber das Vordringen zu den Kontakten verweigerten. Probieren kann mans ja, also an die Rezeption und gefragt ob die so ein Ding haben, ne haben sie natürlich nicht, und der nächste Walmart ist eine $10 Taxifahrt entfernt. Es geht natürlich auch einfacher, indem man einfach einen Haustechniker anfunkt, der dann professionell die nervigen Plastikteile mit einer Zange entfernen konnte.
So sitz ich nun hier, zufrieden, bisher ohne Gefühle von Jet-Lag und sehe gerade draußen die Wolkendecke aufreißen und erste Sonnenstrahlen.
Wer das alles gelesen hat, Respekt, freut mich, ich hoffe es war einigermaßen interessant. Kommentare, auch kritische, herzlich willkommen. Und wenn ich so sehe wie viel ich geschrieben habe stelle ich fest, ich sollte eine Umfrage starten ob überhaupt Bedarf nach deiner englischen Fassung aller Einträge besteht ;-). Zumindest im Moment bin ich dafür zu faul.
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